Vihuela

Die Vihuela ist ein gitarrenförmiges Streichinstrument aus Spanien, Portugal und Italien aus dem 15. und 16. Jahrhundert, meist mit fünf oder sechs doppelten Saiten. Die Vihuela ist auf Spanisch unter dem Namen „Viola de mà“ (Katalanisch) bekannt, außerdem als „Viola da mano“ auf Italienisch und „Viola de mão“ auf Portugiesisch. Die Namen sind funktionell gleichbedeutend und austauschbar. In der am weitesten entwickelten Form war die Vihuela ein gitarrenförmiges Instrument mit sechs Doppelsaiten aus Darm. Vihuelas wurden identisch mit ihrer zeitgenössischen Renaissancelaute gestimmt.

Die gezupften Vihuelas entwickelten sich in der Mitte des 15. Jahrhunderts im Königreich Aragón im Nordosten Iberiens. In Spanien, Portugal und Italien war die Vihuela vom späten 15. bis zum späten 16. Jahrhundert weit verbreitet. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts begannen einige Vihuela-Spieler damit, das Instrument auch mit dem Bogen zu spielen, was zur Entwicklung der Gambe führte.

Geschichte der Vihuela

Die Vihuela verblasste zusammen mit der komplexen polyphonen Musik, die ihr Repertoire darstellte, im späten 16. Jahrhundert. Dieses Schicksal teilte sie mit dem anderen primären Instrument der spanischen und portugiesischen Renaissance, der Kreuzsaitenharfe. Die Nachkommen der Vihuela, welche noch heute gespielt werden, sind die Campaniças aus Portugal. Ein Großteil der Rolle und Funktion der Vihuela wurde von der nachfolgenden Barockgitarre (manchmal auch als Vihuela oder Bigüela bezeichnet) übernommen. Heute wird die Vihuela vor allem für die Aufführung alter Musik unter Verwendung moderner Repliken historischer Instrumente verwendet.

Merkmale der Vihuela

Der Vihuela-Körper wurden betont leicht aus dünnen, flachen Platten oder Holzstücken hergestellt, die je nach Bedarf gebogen wurden. Diese Bauweise unterschied sie von einigen früheren Arten von Streichinstrumenten, deren Körper (wenn nicht sogar das gesamte Instrument einschließlich Hals) aus einem einzigen massiven Holzblock geschnitzt waren. Die Rückseite und die Seiten der gewöhnlichen Lauten waren jedoch auch aus Stücken gefertigt, wobei es sich um mehrere gebogene Stäbe handelte, die zu einer Schale zusammengefügt und verklebt wurden.

Vihuelas wurden seit jeher in verschiedenen Größen gebaut und stellten damit eine ganze Familie von Instrumenten dar. Das Erscheinungsbild von Vihuelas war ebenso vielfältig, es gab wenig Standardisierung und keine Massenproduktion.

Eigenschaften der Vihuela

Insgesamt sehen Vihuelas den modernen Gitarren sehr ähnlich. Die erste Generation des Vihuela, ab der Mitte des 15. Jahrhunderts, hatte scharfe Einschnitte an der Taille, ähnlich der einer Geige. Eine zweite Generation von Vihuela, die irgendwann um 1490 aufkam, nahm die heute bekannten, glatt geschwungenen, achtseitig geformten Körperkonturen an. Die Modelle mit scharfem Taillenschnitt wurden weiterhin bis in die frühe bis mittlere Hälfte des 16. Jahrhunderts gebaut. Viele frühe Vihuelas hatten extrem lange Hälse. Auch die Top-Dekoration, die Anzahl, Form und Platzierung von Schalllöchern, Ports, durchbohrten Rosetten usw. variiert stark.

Vihuelas wurden ähnlich wie Lauten mit Hilfe von beweglichen, umwickelten und angebundenen Darmbünden gestimmt. Vihuelas hatten jedoch normalerweise zehn Bünde, während Lauten nur sieben hatten. Im Gegensatz zu modernen Gitarren, die oft Stahl- und Bronzesaiten verwenden, wurden Vihuelas mit Darmsaiten bespannt, und zwar meist in gepaarter Form. Darmsaiten erzeugen einen Klang, der sich vom Metall unterscheidet und allgemein als weicher und wohlklingender bezeichnet wird.

Wie klingt eine Vihuela?

Im folgenden Video bekommt man einen Eindruck über den Klang einer Vihuela.

Klaus Malke
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